§  RECHTplus.de  §

Juristischer Media-Service


Erstattung von Sachverständigenkosten bei Bagatellschäden



Bei einem auch für einen technischen Laien erkennbar geringfügigen Fahrzeugschaden besteht grundsätzlich kein Anspruch auf Ersatz der Kosten für das Gutachten eines Sachverständigen. Zum Nachweis der Reparaturkosten genügt bei einem Bagatellschaden die Einholung eines Kostenvoranschlags einer Fachwerkstatt. Die Gerichte sehen Reparaturkosten im Bereich bis zu 1.000 Euro in der Regel als Bagatellschaden an. Für einen technischen Laien besteht bei einer Fehleinschätzung der Höhe der Reparaturkosten daher das Risiko, dass er die Sachverständigenkosten bei kleineren Schäden nicht von dem Schädiger bzw. dessen Haftpflichtversicherung erstattet erhält.

Der Bundesgerichtshof hat hierzu entschieden, dass hinsichtlich der Erforderlichkeit und Zweckmäßigkeit einer Begutachtung auf die Sicht des Geschädigten zum Zeitpunkt der Beauftragung abzustellen ist. Es kommt darauf an, ob ein verständig und wirtschaftlich denkender Geschädigter nach seinen Erkenntnissen und Möglichkeiten die Einschaltung eines Sachverständigen für geboten erachten durfte. Liegt nicht nur ein leichter Kratzer an dem Unfallwagen vor, der aus Sicht des Geschädigten mit geringen Kosten zu beseitigen ist, sondern sind vielmehr der Austausch von Stoßfänger und Radlaufabdeckung sowie umfangreiche Lackierarbeiten erforderlich, so sind diese Kosten auch für einen Laien nicht als voraussichtlich gering einzustufen. Auch wenn der Schaden dann letztlich geringer ausfällt als erwartet, besteht ein Anspruch auf Erstattung der Gutachterkosten.

Urteil des AG Nürnberg vom 01.09.2016
15 C 5843/16
Schaden-Praxis 2017, 492