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Krankenkasse muss bei Lebensgefahr auch teure Auslandsbehandlung bezahlen



Das deutsche Krankenversicherungsrecht kennt keine kostenmĂ€ĂŸige BeschrĂ€nkung. Eine Krankenkasse ist daher zur Übernahme auch ungewöhnlicher Behandlungskosten im Ausland verpflichtet, wenn nur diese Behandlung zu einer Heilung oder zumindest einer merklichen Linderung eines lebensbedrohlichen Leidens des Versicherten fĂŒhrt.

Ein mit einem schweren Herzfehler geborener Junge litt nach mehreren Herzoperationen an der lebensbedrohlichen Lungenerkrankung "Bronchitis fibroplastica", die regelmĂ€ĂŸig zu extremer Atemnot mit ErstickungsanfĂ€llen fĂŒhrte. Eine diese Krankheit ist in Deutschland bislang nicht behandelbar. Als die Eltern von einer neuen, erfolgversprechenden Behandlungsmethode in den USA erfuhren, beantragten sie bei der zustĂ€ndigen Krankenkasse die Übernahme der Behandlungskosten von circa 300.000 Euro. Die EinwĂ€nde der Krankenkasse, die Behandlung sei viel zu teuer, sie sei nicht durch Langzeitstudien bestĂ€tigt und es bestehe die Alternative einer in Deutschland durchfĂŒhrbaren Herz-Lungen-Transplantation, ließ das Sozialgericht Bremen nicht gelten. Das Gericht hielt das Fehlen von Studien fĂŒr irrelevant. Ausreichend sei auch die entfernte Aussicht auf Heilung, die durch sĂ€mtliche eingeholten Gutachten bestĂ€tigt wurde. Im Übrigen koste eine Herz-Lungen-Transplantation etwa genauso viel. Das Sozialgericht verurteilte die Krankenkasse zur Kostenzusage.

Hinweis: Die Behandlung des Jungen in den USA verlief mittlerweile erfolgreich; er kann wieder regelmĂ€ĂŸig die Schule besuchen.

Beschluss des SG Bremen vom 23.10.2019
S 8 KR 263/17
SuP 2019, 56