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Unzulässige Schleichwerbung durch "Taggen" von Fotos einer Influencerin



Die Aktivitäten sogenannter Influencer im Internet beschäftigen zunehmend die Gerichte. Streitpunkt ist regelmäßig die Kennzeichnungspflicht der Produktempfehlungen als Werbung. Im vorliegenden Fall veröffentlichte eine Influencerin Modefotos von sich selbst mit Begleittext. Klickte man auf das Foto, erschienen sogenannte Tags, die den Namen der Marke der getragenen Kleidung oder Accessoires enthielten. Mit einem Klick auf einen solchen Tag gelangte man zum Instagram-Account des jeweiligen Markenherstellers.

Das Landgericht Karlsruhe beanstandete, dass die sogenannten Posts nicht als Werbung gekennzeichnet waren. Diese w√ľrden das Interesse an den getragenen Kleidungsst√ľcken wecken. Indem die Nutzer durch nur zwei Klicks auf die Herstellerseite gelangen k√∂nnten, werden Image und Absatz des jeweiligen Herstellers gef√∂rdert. An dieser Beurteilung √§nderte auch die (scheinbare) Privatheit mancher Posts und auch der Umstand nichts, dass die Influencerin nicht f√ľr alle bezahlt wurde. Denn auch durch die nicht verg√ľteten Posts wird letztlich das Gesch√§ftsmodell der Influencer gef√∂rdert. Das Gericht betonte zudem die Schutzw√ľrdigkeit insbesondere der teils sehr jungen Abonnenten, da diese keinesfalls den werblichen Charakter des Auftretens von Influencern einzusch√§tzen wissen. Im Ergebnis wurde die Influencerin verurteilt, s√§mtliche Beitr√§ge als Werbung zu kennzeichnen.

Urteil des LG Karlsruhe vom 21.03.2019
13 O 38/18 KfH
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